Eine Regentonne ohne Überlauf wird bei Starkregen schnell zum Problem. Das Wasser läuft unkontrolliert über den Rand, weicht die Stelle darunter auf und kann sogar das Fundament der Hauswand beschädigen. Die Lösung ist ein selbst gebauter Überlauf, der das überschüssige Wasser gezielt ableitet. Mit einer Lochsäge, einer Tüllendurchführung und einem flexiblen Schlauch ist das in unter einer Stunde erledigt. In diesem Ratgeber liest du, welche Materialien du brauchst und wie du Schritt für Schritt vorgehst.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Überlauf verhindert, dass die Regentonne bei Starkregen überquillt und das Wasser unkontrolliert ausläuft
- Du brauchst eine Lochsäge oder Stufenbohrer, eine Tüllendurchführung mit Dichtring und einen flexiblen Schlauch
- Bohre das Loch 5 bis 10 cm unterhalb des Tonnenrands
- Der Überlaufschlauch sollte zu einer Versickerungsfläche, einem Gulli oder einer zweiten Regentonne führen
- Die häufigste Standardgröße für den Anschluss ist 3/4 Zoll oder 1 Zoll
- Bauzeit: etwa 30 bis 45 Minuten, Materialkosten unter 20 Euro
Warum jede Regentonne einen Überlauf braucht
Eine 300-Liter-Tonne ist mit einem normalen Sommerregen schnell voll. Bei einem Starkregen mit 30 Liter pro Quadratmeter und einer Dachfläche von 100 Quadratmetern fließen rund 3.000 Liter Wasser in die Dachrinne und damit potenziell in die Tonne. Das Zehnfache deiner Tonnenkapazität an einem einzigen Regenguss.
Ohne Überlauf passieren drei unschöne Dinge.
- Wasser läuft über den Rand. Es spritzt unkontrolliert über die Tonne und sucht sich seinen Weg in den Boden direkt unter der Tonne. Das kann das Fundament der Hauswand schädigen.
- Erde wird weggeschwemmt. Wer die Tonne direkt auf Erde oder im Beet stehen hat, sieht nach wenigen Starkregen-Episoden Erosionsschäden.
- Der Druck baut sich auf. Bei einem Vollanschluss an die Dachrinne kann das Wasser sogar in die Rinne zurückstauen und dort Schäden anrichten.
Ein Überlauf löst das Problem mit minimalem Aufwand. Sobald der Wasserspiegel den Auslass erreicht, fließt das überschüssige Wasser dort gesteuert ab.
Was du brauchst: Material und Werkzeug
Die Liste ist kurz und alles bekommst du im Baumarkt für unter 20 Euro.
| Artikel | Zweck | Richtpreis |
|---|---|---|
| Lochsäge oder Stufenbohrer (passend zur Tülle) | Saubere Öffnung in die Tonne bohren | 7-15 € |
| Tüllendurchführung (3/4″ oder 1″) mit Dichtring | Stabile, dichte Verbindung zur Tonnenwand | 3-6 € |
| Schlauch (passend zur Tülle, 1-2 m) | Ableitung des Wassers | 3-8 € |
| Schlauchschelle | Schlauch sicher an Tülle fixieren | 1-2 € |
| Akku-Bohrschrauber | Antrieb für die Lochsäge | vorhanden |
| Bleistift, Maßband | Position anzeichnen | vorhanden |
Die meisten Regentonnen-Hersteller bieten passende Überlauf-Sets an. Die Kosten liegen dort bei 10 bis 25 Euro für ein Komplettpaket aus Tülle, Dichtring, Schlauch und Schlauchschelle. Wer den Baumarkt-Weg geht, ist meist günstiger und kann frei wählen.

Schritt für Schritt: Überlauf einbauen
Die Vorgehensweise ist immer dieselbe, egal ob deine Tonne aus Kunststoff, Holz oder Metall besteht. Für Holz- und Metalltonnen brauchst du eventuell andere Bohrer, der Ablauf bleibt gleich.
- Tonne leeren oder Wasser unter den geplanten Bohrpunkt absenken. Sonst schwappt beim Bohren Wasser heraus.
- Bohrposition anzeichnen. Setze den Punkt etwa 5 bis 10 cm unterhalb des Tonnenrands. Wer den Überlauf zur zweiten Tonne führen will, sollte am Tonnenrand identisch hoch positionieren, damit beide auf gleichem Pegel laufen.
- Loch bohren. Setze die Lochsäge senkrecht zur Tonnenwand an und bohre langsam durch. Bei Kunststoff dreht der Bohrer leicht durch das Material. Bei Metall vorher mit einem Körner einen Punkt setzen.
- Kanten entgraten. Mit einem Cuttermesser oder feinem Schmirgelpapier die Bohrkante glätten. Das schützt den Dichtring vor Beschädigung.
- Tüllendurchführung einsetzen. Schiebe die Tülle von außen durch das Loch, lege den Dichtring von innen an und schraube die Innenmutter fest. Handfest anziehen reicht meistens. Zu fest und der Kunststoff bricht.
- Schlauch aufstecken und verschellen. Schiebe den Schlauch über die Tülle und ziehe die Schlauchschelle fest.
- Schlauch verlegen. Lege den Schlauch zu einer Versickerungsfläche, einem Gulli oder einer zweiten Regentonne. Wichtig ist ein durchgehendes Gefälle nach unten, sonst staut sich das Wasser im Schlauch.
- Funktionstest. Fülle die Tonne mit einem Gartenschlauch bis knapp über den Überlauf. Beobachte, ob das Wasser sauber abläuft und keine Tropfen an der Tüllendurchführung austreten.
Tritt Wasser an der Tülle aus, lockere die Innenmutter, prüfe den Sitz des Dichtrings und schraube neu fest. Eine zusätzliche Dichtung mit Sanitärsilikon an der Außenseite ist möglich, in den meisten Fällen aber überflüssig.
Wohin mit dem Überlaufwasser?
Du hast drei sinnvolle Optionen, wohin du das Wasser leitest. Wähle nach Lage des Gartens und persönlichem Bedarf.
- Versickerungsfläche im Garten. Die ökologisch beste Lösung. Leite den Schlauch zu einer Mulde, einem Kies-Streifen oder ins Beet. Das Wasser fließt langsam in den Boden und füttert den Grundwasserspiegel.
- Zweite Regentonne (Tandem-Anschluss). Zwei Tonnen verbunden durch einen Überlauf-Schlauch füllen sich gleichmäßig. Wer noch mehr Wasser sammeln will, kann eine ganze Reihe Tonnen koppeln.
- Anschluss an den Gulli. Bei kleinen Gärten oder schweren Lehmböden, wo Versickerung schwierig ist. Achtung: Manche Kommunen verbieten den Anschluss an die Mischkanalisation oder verlangen Niederschlagsgebühren. Vor dem Anschließen kurz bei der Gemeinde nachfragen.
Tandem-Regentonnen: zwei Tonnen zusammenschalten
Wer mehr Speicherkapazität braucht, koppelt zwei oder mehr Tonnen miteinander. So funktioniert es.
- Beide Tonnen auf gleicher Höhe aufstellen. Eine Bodenplatte oder gepflasterter Untergrund sorgt für sicheren Stand.
- Bohrloch an beiden Tonnen. An derselben Höhe etwa 5 cm unterhalb des Rands. Wichtig ist, dass beide Bohrungen exakt gleich hoch liegen.
- Tüllen einsetzen. An jeder Tonne eine Durchführung wie oben beschrieben.
- Schlauch dazwischen. Mit Schlauchschellen an beiden Tüllen festziehen. Der Schlauch sollte möglichst direkt verlaufen, ohne starkes Gefälle in der Mitte.
- Überlauf an der zweiten Tonne. Auch die zweite Tonne braucht einen eigenen Überlauf, der das Wasser nach draußen leitet, sobald beide voll sind.
Mit drei oder vier Tonnen in Reihe sammelst du schnell 1.000 bis 1.500 Liter Wasser. Das reicht für trockene Sommerwochen meist locker aus.
Wartung und Winterpflege
Damit der Überlauf langfristig funktioniert, lohnen sich ein paar einfache Pflege-Schritte.
- Schlauch jährlich kontrollieren. Risse, Knicke oder Verstopfungen führen schnell zu Wasserstau. Eine Sichtkontrolle im Frühjahr reicht.
- Vor dem ersten Frost leeren. Wenn Wasser im Schlauch friert, kann der Schlauch oder die Tülle platzen.
- Tülle prüfen. Bei undichten Stellen Innenmutter nachziehen oder Dichtring ersetzen. Ersatzdichtungen kosten 1 bis 2 Euro im Baumarkt.
- Filter am Einlauf. Wenn du am Fallrohr einen Filter installierst, fängt der grobe Schmutz ab, und der Überlauf bleibt frei.
Fazit
Ein selbst gebauter Überlauf an der Regentonne ist eine der unspektakulärsten, aber wichtigsten Investitionen im Garten. Mit unter 20 Euro Material, einer Lochsäge und einer halben Stunde Zeit verhinderst du Wasserschäden an der Hauswand und nutzt dein Regenwasser sinnvoll.
Wer mehr Kapazität will, koppelt mehrere Tonnen zu einem Tandem. Wer den Überlauf nicht in den Garten lassen kann, leitet ihn zum Gulli, sollte aber kurz bei der Gemeinde nach möglichen Gebühren fragen. Mit etwas Wartung im Frühjahr läuft das System jahrelang ohne Probleme.
FAQ
Wie hoch muss der Überlauf an der Regentonne sein?
Etwa 5 bis 10 cm unterhalb des oberen Tonnenrands. Damit hast du genug Puffer, falls bei Starkregen kurzzeitig viel Wasser kommt, und gleichzeitig verlierst du nicht unnötig Sammelkapazität.
Welche Größe braucht der Überlaufanschluss?
Üblich sind 3/4 Zoll oder 1 Zoll. Bei großen Dachflächen oder mehreren Tonnen in Reihe lohnt sich der größere Durchmesser von 1 Zoll, damit das Wasser bei Starkregen schnell genug abfließt.
Wohin mit dem Wasser aus dem Überlauf?
Am besten in eine Versickerungsfläche im Garten, in eine zweite Regentonne oder in den Gulli. Bei Anschluss an den Gulli vorher die Gemeinde fragen, ob das erlaubt ist und ob zusätzliche Niederschlagsgebühren anfallen.
Kann ich zwei Regentonnen miteinander verbinden?
Ja. Bohre an beiden Tonnen ein Loch in gleicher Höhe und verbinde sie mit Tüllendurchführungen und einem flexiblen Schlauch. Beide Tonnen füllen sich dann gleichzeitig. Die zweite Tonne braucht zusätzlich einen eigenen Überlauf nach außen.
Was kostet ein selbst gebauter Überlauf?
Unter 20 Euro für Material aus dem Baumarkt. Tülle, Dichtring, Schlauch und Schlauchschelle gibt es als Set ab 10 Euro. Eine passende Lochsäge kostet 7 bis 15 Euro, falls du noch keine hast.
Wie verhindere ich, dass der Überlaufschlauch verstopft?
Setze am Fallrohr einen Filter ein, der Laub und groben Schmutz abfängt. Kontrolliere den Schlauch einmal jährlich auf Knicke oder Verschmutzung. Vor dem ersten Frost solltest du den Schlauch komplett entleeren oder bei dauerhaften Anlagen frostsicher verlegen.
