Wer eine neue Sägekette aufzieht oder eine alte zurückbaut, steht häufig vor der gleichen Frage. In welche Richtung muss die Kette eigentlich laufen? Eine falsch montierte Sägekette schneidet nicht, springt im Extremfall vom Schwert ab und kann zu schweren Verletzungen führen. Die einfache Regel: An der Oberseite des Schwerts läuft die Kette zur Schwertspitze, und die Schneiden zeigen oben in genau diese Laufrichtung. Hier liest du, wie du die Laufrichtung sicher erkennst, welche Markierungen es gibt und was du beim Aufziehen sonst noch beachten solltest.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Kette läuft an der Oberseite des Schwerts immer zur Schwertspitze
- An der Oberseite zeigen die Schneidkanten Richtung Schwertspitze
- An der Unterseite des Schwerts zeigen die Schneiden zurück Richtung Motor
- Die meisten Schwerter haben einen aufgedruckten Pfeil als Hilfe
- Bei falscher Montage schneidet die Kette nicht, wird sehr heiß und kann reißen
- Vor jeder Inbetriebnahme: Laufrichtung, Spannung und Schmierung prüfen
Die Grundregel auf einen Blick
Eine Kettensäge funktioniert wie eine sich endlos drehende Schleife. Die Kette läuft über das obere Antriebsrad nach vorn Richtung Schwertspitze, dort über das vordere Umlenkrad nach unten und an der Unterseite des Schwerts zurück Richtung Motor.
Daraus ergibt sich die wichtigste Regel zum Aufziehen.
- An der Oberseite des Schwerts. Schneidzähne zeigen in Laufrichtung, also Richtung Schwertspitze.
- An der Unterseite des Schwerts. Schneidzähne zeigen entgegen der Laufrichtung, also Richtung Motor.
Wenn du eine neu eingelegte Kette ansiehst und die Schneiden oben in Richtung Motor zeigen, hast du sie verkehrt herum aufgezogen. Dann hilft nur: Kette abnehmen, einmal in der Hand umdrehen und korrekt wieder aufziehen.
So erkennst du die Schneidkante
Jedes Kettenglied hat eine asymmetrische Form. Die Schneidzähne wechseln sich auf den beiden Seiten der Kette ab. Drei Merkmale helfen dir bei der Orientierung.
- Die scharfe Kante. Auf jedem Schneidzahn gibt es eine geschliffene Vorderkante. Diese Kante muss in Laufrichtung zeigen.
- Die abgerundete Hinterseite. Auf der Rückseite des Schneidzahns ist das Material flach oder abgerundet. Hier zerteilt die Säge nichts.
- Die „Schaufel“-Form. Schneidzähne haben eine kleine, leicht gekrümmte Schale, die das Sägemehl aufnimmt und nach hinten transportiert. Die Öffnung der Schale liegt in Laufrichtung.
Wenn du dir unsicher bist, halte die Kette vor das Schwert und drücke einen Schneidzahn mit dem Finger an. Spürst du eine scharfe Kante, ist das die Vorderseite. Diese muss bei korrekter Montage in Laufrichtung weisen.

Pfeile und Markierungen am Schwert
Die meisten Hersteller helfen dir mit aufgedruckten oder eingravierten Pfeilen am Schwert. Schau dir folgende Stellen an.
- Vordere Seitenwand des Schwerts. Oft ein kleiner Pfeil mit der Aufschrift „Laufrichtung“, „Drive“, oder einem Pfeilsymbol.
- Aufdruck am Antriebsrad. Manche Hersteller zeigen den Drehsinn direkt an der Sägeglocke.
- Etikett auf der Kette. Bei Neukauf liegt häufig ein Hinweisaufkleber bei.
- Bedienungsanleitung. Im Kapitel „Kette wechseln“ zeigt fast jedes Handbuch eine eindeutige Zeichnung.
Auf der Säge selbst läuft das Antriebsrad bei jeder gängigen Motorsäge im Uhrzeigersinn, wenn man von der Bedienerposition aus auf die Seitenabdeckung schaut. Diese Drehrichtung treibt die Kette automatisch nach vorn zur Schwertspitze.
Was passiert bei falscher Montage?
Eine verkehrt herum aufgezogene Kette ist nicht nur ineffizient, sondern auch gefährlich. Die typischen Folgen.
- Kette schneidet nicht. Statt scharfer Schnitte entstehen Hitze, Funkenflug und Sägemehl-Stau.
- Schwert wird heiß. Die Reibung zwischen Schwert und Kette ohne Schneidwirkung erhitzt das Material. Im Extremfall kann sich das Material verfärben und seine Härte verlieren.
- Kettenölung versagt. Das Öl wird nicht in die richtigen Bereiche transportiert, was die Reibung weiter verstärkt.
- Risiko des Kettenrisses. Bei stark überhitzter Kette können einzelne Glieder reißen. Die abreißende Kette kann den Bediener treffen.
- Rückschlaggefahr. Mit verkehrt herum montierter Kette ist die Sägeführung unberechenbar, was die Rückschlaggefahr erhöht.
Wer den Verdacht hat, dass die Kette nicht richtig schneidet, sollte sofort den Motor abstellen, die Säge abkühlen lassen und die Laufrichtung prüfen.
Kette aufziehen: Schritt für Schritt
Hier eine kurze Anleitung zum korrekten Montieren einer Sägekette. Bei deinem konkreten Modell können die genauen Handgriffe leicht abweichen, das Grundprinzip bleibt aber gleich.
- Motor abstellen und Säge abkühlen. Niemals an heißer Säge arbeiten.
- Zündkerzenstecker abziehen. Bei Benzinsägen zusätzliche Sicherheit gegen ungewolltes Starten.
- Seitenabdeckung lösen. Über zwei Sechskant-Muttern, die du mit dem Kombi-Werkzeug der Säge öffnest.
- Alte Kette entfernen. Spannschraube lösen, Schwert vorsichtig zurückschieben, Kette abnehmen.
- Schwert reinigen. Die Nut im Schwert mit einem Lappen oder einer Bürste von Sägemehl befreien. Ölbohrungen prüfen.
- Neue Kette ansetzen. Die Kette so um das Schwert legen, dass die Schneidzähne oben in Richtung Schwertspitze zeigen. Treibglieder müssen sauber in die Schwertnut greifen.
- Kette über das Antriebsrad legen. Beim Aufschieben darauf achten, dass die Treibglieder in das Antriebsrad einrasten.
- Schwert positionieren. Schwert vorsichtig wieder in die Halterung schieben, Spannschraube grob einstellen.
- Seitenabdeckung montieren. Muttern handfest anziehen.
- Kette spannen. Über die Spannschraube die Kette spannen, bis sie in der Schwertmitte etwa 3 mm vom Schwert abhebt, aber noch über das Schwert gezogen werden kann.
- Muttern endgültig festziehen. Beim Festziehen die Spitze des Schwerts leicht anheben, damit das Schwert nicht nach unten kippt.
- Funktion prüfen. Kette von Hand vorsichtig drehen. Sie sollte sich gleichmäßig bewegen, ohne zu klemmen oder zu schlackern.
Tipps für eine längere Lebensdauer der Kette
Eine korrekt montierte Kette läuft im Mittel 50 bis 100 Sägestunden, bevor sie deutlich nachgeschliffen werden muss. Mit ein paar Routinen verlängerst du die Lebensdauer.
- Vor jedem Einsatz Spannung prüfen. Über Nacht kühlt das Schwert aus und die Kette dehnt sich kaum noch. Im Betrieb erwärmt sie sich, eine Nachspannung ist oft nötig.
- Ölvorrat kontrollieren. Der Ölbehälter sollte vor jeder Tankfüllung Benzin aufgefüllt werden. Manche Sägen verbrauchen sogar mehr Öl als Sprit pro Stunde.
- Kette regelmäßig schärfen. Mit einer Rundfeile oder einem Schärfgerät alle 3-5 Tankfüllungen die Schneidzähne nachschärfen.
- Schmutz und Harz entfernen. Nach jedem Einsatz Kette und Schwertnut mit einer Drahtbürste oder Druckluft reinigen.
- Schwert wenden. Schwerter mit symmetrischer Form lassen sich umdrehen, wodurch sich der Verschleiß gleichmäßig verteilt.
Wichtiger Sicherheitshinweis
Kettensägen gehören zu den unfallträchtigsten Werkzeugen im Heimgebrauch. Trage immer eine vollständige Schutzausrüstung mit Schnittschutzhose, Schutzhelm mit Visier und Gehörschutz, Schnittschutzhandschuhen und festem Schuhwerk mit Schnittschutzeinlage. Bei Unsicherheit zur Bedienung oder Wartung lohnt sich der Besuch eines Kettensägen-Lehrgangs, den viele Forst-Schulen oder Volkshochschulen anbieten. Bei Arbeiten in Wäldern oder am Boden bist du gesetzlich verpflichtet, einen Motorsägen-Schein nachzuweisen (variiert nach Bundesland und Verwendungszweck).
Fazit
Die Laufrichtung einer Sägekette ist trivial, sobald man die Grundregel verinnerlicht hat. Schneiden zeigen oben zur Schwertspitze, an der Unterseite zurück zum Motor. Pfeile am Schwert und Hinweise im Handbuch helfen beim erstmaligen Aufziehen. Wer die Kette einmal richtig montiert hat, hat das Prinzip verstanden.
Eine falsch montierte Kette ist nicht nur ineffizient, sondern gefährlich. Bei der ersten Auffälligkeit (Kette schneidet schlecht, Säge wird heiß, übermäßig viel Sägemehl in der Luft) sollte der Motor sofort gestoppt und die Laufrichtung kontrolliert werden. Mit regelmäßiger Pflege und der korrekten Montage hält eine Sägekette viele hundert Schnitte aus.
FAQ
Wie erkenne ich die richtige Laufrichtung der Kettensäge?
An der Oberseite des Schwerts müssen die Schneidzähne in Richtung Schwertspitze zeigen. An der Unterseite zeigen sie zurück Richtung Motor. Pfeile am Schwert oder auf der Sägeglocke bestätigen die Richtung zusätzlich.
Was passiert, wenn ich die Kette verkehrt herum montiere?
Die Kette schneidet nicht oder nur sehr schlecht. Schwert und Kette erhitzen sich stark, das Öl verteilt sich nicht richtig, und im Extremfall kann die Kette reißen. Sobald du das bemerkst, Motor sofort abstellen und die Kette umdrehen.
Wie spanne ich die Kette richtig?
Über die Spannschraube am Schwert. Die Kette sollte in der Schwertmitte etwa 3 mm vom Schwert abheben, sich aber per Hand noch von der Spitze her durchziehen lassen. Zu locker bedeutet Abspring-Gefahr, zu fest bedeutet Verschleiß und Bruch.
Wie oft muss ich die Kette schärfen?
Bei normalem Gebrauch alle 3 bis 5 Tankfüllungen. Wer Hartholz oder Erdkontakt hat, schärft schon nach 1-2 Tankfüllungen. Indizien für eine stumpfe Kette: feines Sägemehl statt grobe Späne, viel Kraftaufwand beim Schnitt, einseitiges Verlaufen des Schnitts.
Welches Öl muss ich für die Sägekette verwenden?
Spezielles Sägekettenöl aus dem Fachhandel. Es ist haftfähiger als normales Motoröl und bleibt auch bei hohen Drehzahlen an der Kette. Biologisches Sägekettenöl ist die ökologisch verträglichere Alternative und in vielen Naturschutzgebieten Pflicht.
Brauche ich einen Motorsägen-Schein?
Im eigenen Garten am liegenden Holz brauchst du keinen Schein. Sobald du in Wäldern oder bei stehenden Bäumen arbeitest, ist je nach Bundesland und Verwendungszweck der Motorsägen-Schein (auch ESF1/ESF2 genannt) Pflicht. Auch viele Kommunen verlangen einen Nachweis, wenn du beim Brennholz-Verkauf der Forstverwaltung mitwirkst.
